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Januar

Gott begegnen im Gebet

Wer betet, sucht Gott. Das Gebet kommt von Gott. Weil er mich in meinem Inneren berührt hat, konnte ich überhaupt anfangen zu beten. Aber es gibt auch andere Erfahrungen. Gott scheint nicht erreichbar. Das Weltall scheint die Rufe meines Betens zu verschlucken, als gäbe es niemanden, der auf die Gebete der Menschen hört.

Aber, trotz dieser Fragen, das Beten geht weiter. Der Strom fließt seit Jahrtausenden. Schon in der Steinzeit haben sich die Menschen an eine himmlische Macht gewandt, sie haben ihre Toten bei dieser Macht aufgehoben gesehen. Etwas gibt dem Beten Kraft und Durchhaltevermögen – warum dann nicht auch meinem Beten. Ein Rückblick zeigt mir: Etwas hat mich auf den Weg des Betens gebracht. Dieses Etwas holte mich aus der Verstrickung in die alltäglichen Sorgen, in denen sich mein Leben so oft zerfasert, heraus.

Februar

Der Geist verbindet

Wenn wir jemand sehen, seine Stimme hören, einen Brief lesen, dann sind wir verbunden – physikalisch, durch Licht und Schallwellen oder das Telefonkabel. Aber die Physik verbindet nur Augen und Ohren. Um sich zu verstehen, kommt noch etwas hinzu, wir nennen das unsere Seele oder unser Herz. Auch Gott spricht durch die Physik, die Natur zu uns. Wir leben in seinem Garten, er lässt die Sonne aufgehen, lässt es blühen und wachsen. Er berührt uns durch seine Schöpfung, aber erst sein Geist lässt unser Herz aufleben. So wie wir anderen Menschen durch ein geistiges Band erst wirklich nahe kommen, so zieht uns Gott durch seinen Geist in seine Nähe.

März

Ich bin mit meiner Schuld allein

Wirklich alleine bin ich mit meiner Schuld, vor allem, wenn ich sie spüre. Mitten in der Nacht oder wenn in einem Gespräch jemand etwas erzählt, was mich an meine Schuld erinnert. In solchen Momenten dringt es wie ein spitzes Messer in mich ein: Ich habe etwas falsch gemacht. Habe jemand anderem etwas Wichtiges von seinem Leben geraubt. Oder, oft noch schmerzhafter: Ich habe etwas Wichtiges nicht getan. Ich habe es einfach verschoben, mich vor der Anstrengung gedrückt. Jetzt ist die Zeit verflossen und ich bleibe mit meinem ungelebten Leben allein. In solchen Momenten kann mir kein Mensch helfen. Keiner kann auch so richtig abschätzen, was schief gelaufen ist. Niemand kann mir die falsch gelebte Zeit wieder „zurückstellen“, keiner kann ungeschehen machen, was ich Schändliches getan habe. In solchen Augenblicken spüre ich, wie Gott auf mich wartet. Nur er kann meine Schuld verwandeln, aus Bösem doch noch etwas Gutes werden lassen.

April

Geht die Saat meines Lebens auf?

Es wächst und blüht. Was im letzten Jahr oder in diesem Frühjahr gesät wurde, entwickelt sich. Sonne und Regen, die Nährstoffe des Bodens sind notwendig. Auch in meinem Leben gibt es Phasen der Aussaat. Ich bin noch in der Ausbildung, studiere, qualifiziere mich für eine neue Aufgabe. Oder ich blicke in der Mitte des Lebens auf das Feld meines Lebens. Manche Saat ist aufgegangen, in anderes, was vielversprechend war, hat es „reingehagelt“, nicht weniges ist verdorrt. Oder ich bin noch älter und kann nur noch ernten. Was ist der Ertrag meins Lebens? Was nährt mich im Alter? Lege ich noch einen kleinen Garten an, um Neues wachsen zu sehen? Wie der Bauer danke ich dem, der das Wachsen schenkt und alles so arrangiert, dass überhaupt etwas wachsen kann. Wenn ich die Saat nicht richtig gepflegt habe, durch meine mangelnde Sorgfalt wenig auf dem Halm steht, dann brauche ich andere, die mir von ihrer Ernte etwas abgeben.

Mai

Ich höre einen Ruf

Über weite Strecken meines Lebens rechne ich nicht damit, was andere erlebt haben: Dass sie wie Ruppert Neudeck flüchtige Vietnamesen aus dem Meer auffischen oder sich wie Hardy Krüger um verhungernde Kinder in Äthiopien kümmern. „So etwas kann mir nicht passieren.“ Und dann trifft mich doch ein Ruf, vielleicht nicht so spektakulär. Jemand fragt mich, die Jugendmannschaft zu trainieren. Ich sitze plötzlich im Flugzeug, um eine Partnergemeinde in Peru zu besuchen und weiß auf dem Rückflug, was ich zu machen habe. Ein Mensch vertraut sich mir an und ich spüre, dass ich durch Zuhören helfen kann. Der Ruf kommt immer unerwartet, er ist unberechenbar. Meist ruft er mich für eine Aufgabe, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Wenn ich in mir diesen Ruf nicht mehr überhören kann, dann spricht Gott deutlich zu mir.

Juni

Mein ganz persönliches, peinliches Laster

Ich schade erst mal niemand anderem damit. Deshalb ist es noch nicht in vollem Umfang Sünde: Kein Tag ohne eine halbe oder ganze Tafel Schokolade, das Zuviel Essen. Oder: Ich kann es nicht lassen, über die Schwächen der anderen zu reden. Die Ungeduld am Steuer, dass ich von den Zigaretten nicht loskomme, dass ich so auf das andere Geschlecht fixiert bin, dass niemand mir mal meine Fehler sagen kann. Und wenn ich nichts davon habe, dann mein Perfektionismus, dass ich mich so im Griff habe und daher unerbittlich geworden bin. Oder das Gegenteil: Ich kann nie richtig zu einer Sache stehen, weil ich immer nachgeben muss. Die Liste könnte noch viel länger sein. Alles, was hier aufgezählt wird, ist auch irgendwie peinlich. Keinem Menschen kann ich damit kommen, ohne dass ich ein mitleidiges Lächeln ernte. Wer versteht mich in meiner Erbärmlichkeit?

Juli

Als wäre alles für mich gedacht

Sommertage – Ich bin früh aufgestanden, es ist noch nicht zu warm. Der Wind streicht durch die Blätter und lässt die Gräser schwingen. Die Sonne bringt die Farben zum Leuchten. Alles ist in Harmonie. Die Landschaft, Bäume, Blüten, das Summen der Insekten – es ist wie um mich herum aufgebaut, damit ich es genieße. Alle sind tätig, tun das, was ihrer Natur entspricht. Nur ich muss heute Morgen nichts anpacken. Ich kann ihnen zuschauen und bin der einzige, der nicht nur ein Teil dieser Landschaft ist. Ich kann die Welt betrachten, die Ordnung und Schönheit besingen. Die Natur zu ihrem Schöpfer zurückbringen: „Wie wunderbar ist alles geschaffen!“

August

Es wird immer schlimmer

Will ich eigentlich in einer Welt leben, in der im Großen wie im Kleinen betrogen wird? Wo es so leicht ist, mit Gewalt etwas zu erreichen. Ein Sprengsatz wird gezündet und die Kameras der Welt richten sich auf die Zerstörung. Aber auch im Kleinen: Welche Kraft hat üble Nachrede. Etwas bleibt immer hängen. Eine solche Welt muss ich mir doch nicht „antun“? Aber ich habe auch kein Gegenmittel: jeden Tag quillt das Übel neu aus den Zeitungen und Fernsehnachrichten. Die meisten finden sich mit dem Zustand der Welt ab. Gibt es keine Instanz, die für Gerechtigkeit steht, dass Zuneigung wichtiger ist, als eine Bombe zu zünden? Wenn nicht Gott für Hilfsbereitschaft, Respekt vor dem Menschen, für Gerechtigkeit einsteht, was soll dann aus der Welt werden?

September

Die Stille spricht

Manchmal muss ich einfach raus – aus dem, was ich alltäglich um die Ohren habe, aus den vielen Rücksichtsnahmen, die mir gute und weniger wohlwollende Menschen abverlangen. Wenn mir die Flucht gelungen ist, dann ist die Ruhe leer. Ich bin allein und weiß gar nicht, was ich mit mir anfangen soll. Mich zieht es in meine Welt zurück, weil mir sofort einfällt, was ich alles noch zu erledigen habe. Und ich sitze einfach nur mit mir alleine herum. Es kann dauern, bis die Stille zu sprechen beginnt.

Oktober

Gemeinschaft ist mehr

Ich sitze in einem Gottesdienst, meine Gedanken haben mich irgendwohin fortgetragen. Wie auf einem fliegenden Teppich bin ich unterwegs, nicht mehr da, wo mein Körper gerade ist. Um mich herum Gesang, der mich trägt, ich schwimme irgendwie mit. Plötzlich bin ich wieder hier, mitten unter den Menschen, zurückholt. In solchen Momenten spüre ich etwas von dem Geist, der durch den Kirchenraum weht. Tatsächlich, alle sind im Namen Gottes da, obwohl Gott nicht zu sehen ist, sein Geist ist zu spüren. Dieser Geist macht aus Worten und Tönen ein gemeinsames Gebet.

November

Wo sind meine Toten?

Das Laub liegt am Boden. Die Herbststürme haben bereits die letzten Blätter von den Bäumen gefegt. Die Kälte kriecht, oft nass und unwirtlich, in meine Glieder. Ich fühle den Winter meines Lebens. Wenn kein Lebensfunke mehr zu spüren ist, wenn alles starr wird, dann zieht sich das Leben von mir zurück. In jedem November kommen diese Gefühle. Wir denken an unsere Toten. Das Interesse an den Toten hat unmittelbar mit mir zu tun: Denn der Herbst lässt mich fragen: Wo bleibe ich eigentlich? Wo geht mein Leben hin, wenn es meinen Körper verlässt? Ist Gott so lebendig, dass er mein sterbendes Leben auffangen und bewahren kann?

Dezember

Die Nächte werden immer kälter

Mit den letzten Tagen des Jahres kommt das Ende. So wird es auch mit mir einmal sein. Wie ein Jahr nur eine bestimmte Zahl von Tagen hat, so auch mein Leben. Einmal werden sie verbraucht sein. Jedoch ist unsere Stimmung im Dezember meist nicht so am Boden wie an manchen Tagen im November. Wenn der 31. dem Jahr ein Ende setzt, steht das Neue schon mit dem 1. Januar vor der Tür. Es geht weiter. Diesen Ausblick bewirkt Weihnachten. Denn nicht am 1. Januar beginnt das Neue Jahr, sondern wenn die Sonne an Weihnachten ihren tiefsten Punkt erreicht hat. Dann wird es meist erst richtig Winter, unwirtlich und sogar richtig kalt. Aber die Tage werden trotzdem länger, die Sonne gewinnt an Kraft. Das ist der Grund, warum die Christen in Rom Weihnachten auf den Tag der Wintersonnenwende gelegt haben.